Bossing – Wenn Führung zur Waffe wird

Gernot Almesberger | psychologischer Berater und systemischer Coach

Allzuviel ist ungesund!

Bossing beschreibt eine besonders perfide Form des Mobbings: Wenn Vorgesetzte ihre Macht gezielt einsetzen, um Mitarbeitende systematisch herabzuwürdigen, zu isolieren oder gar aus dem Unternehmen zu drängen.

Was wie ein Einzelfall wirkt, ist in Wirklichkeit weit verbreitet – oft gut getarnt als „Führung“, „Druck“ oder „unangepasstes Verhalten“ der Betroffenen.


🔥 Was Betroffene erleben

Bossing kann sich unterschiedlich äußern:

  • Abwertende oder spöttische Bemerkungen vor anderen
  • Ständige Kontrolle, ohne Vertrauen
  • Entzug von Aufgaben oder Informationen
  • Verweigerung von Weiterbildung oder Entwicklungschancen
  • Isolierung im Team oder gezielte Rufschädigung

Das Ergebnis? Viele Betroffene leiden unter Schlafstörungen, Angstzuständen, sinkendem Selbstwertgefühl – nicht selten führt der psychische Druck zu Burnout oder Depression.


🧨 Was es Unternehmen kostet

Bossing ist nicht nur ein ethisches Problem – es ist auch ein ökonomisches Risiko:

  • Höhere Krankenstände
  • Teure Fluktuation und Know-how-Verlust
  • Schlechtes Betriebsklima und Leistungsabfall im Team
  • Rufschädigung als Arbeitgeber
  • Juristische Auseinandersetzungen, insbesondere bei Führungsversagen

Bossing zerstört Vertrauen – und Vertrauen ist der Nährboden für jede gesunde Unternehmenskultur.


🚨 Warum es oft unentdeckt bleibt

Viele Betroffene schweigen aus Angst. Besonders heikel: Bei Bossing sitzt der oder die Täter:in meist „oben“. Kolleg:innen oder HR tun sich schwer, etwas zu unternehmen – aus Loyalität, Unsicherheit oder Machtlosigkeit.

Und genau das macht Bossing so gefährlich: Es wirkt oft wie eine Einbahnstraße ohne Ausstieg.


💪 Was Betroffene tun können

Wer Bossing erlebt, fühlt sich oft ohnmächtig. Aber es gibt Handlungsspielräume – auch wenn sie nicht immer leicht zu gehen sind:

  1. Grenzen setzen
    Dokumentiere Vorfälle sachlich (Datum, Ort, Inhalt, Zeugen). Das schafft Klarheit – auch für spätere Gespräche.
  2. Sprich mit Vertrauenspersonen
    Such das Gespräch mit Kolleg:innen, interner Beratung, Betriebsrat oder externen Anlaufstellen. Du bist nicht allein.
  3. Professionelle Hilfe holen
    Psychologische Beratung, Supervision oder Coaching können stärken und neue Perspektiven eröffnen – auch juristische Beratung kann sinnvoll sein.
  4. Schutz suchen, wenn nötig
    Wenn der Druck zu groß wird, kann ein Wechsel in eine andere Abteilung, ein Krankenstand oder im Ernstfall ein Jobwechsel ein notwendiger Schritt sein. Dein Wohl steht an erster Stelle.
  5. Mach das System sichtbar
    Bossing ist kein individuelles „Missverständnis“ – es ist ein strukturelles Problem. Wer spricht, unterbricht das Schweigen.

🛡 Was Unternehmen tun müssen

  • Klare ethische Leitlinien für Führungskräfte
  • Schulungen zu Führungsverantwortung & Kommunikation
  • Anonyme Meldesysteme und unabhängige Vertrauensstellen
  • Konsequente Aufklärung und Sanktionierung von Fehlverhalten
  • Psychosoziale Unterstützung für Betroffene

Führung ist ein Privileg – kein Freibrief für Demütigung. Wer den Blick wegwendet, macht sich mitverantwortlich.


Fazit: Bossing ist kein Führungsstil. Es ist ein Machtmissbrauch, der Menschen krank und Unternehmen kaputt macht. Eine gesunde Unternehmenskultur erkennt nicht nur Leistung an – sie schützt auch die Würde.


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Über den Autor

Willkommen in meinem Gesundheitsblog!

Hier teile ich aktuelle Studien, Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen zu Gesundheit, Arbeit, Beziehungen, Persönlichkeitsentwicklung sowie Burnout-Prävention und vieles darum herum.

Als diplomierter Psychologischer- und Trauerbegleiter, zertifizierter Mediator, hypnosystemischer Coach und Unternehmensberater begleite ich seit fast 20 Jahren Menschen – privat wie beruflich.

Hol Dir hier Impulse für mehr Resilienz und starke Beziehungen!

Auf bald,
Gernot

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